31.08.2012 Nichts Anderes Keine Kommentare

Verbitterung

Du kennst sie wahrscheinlich auch: Zig Fotos und Videos in der Presse und im Fernsehen, die Menschen mit herunter gezogenen Mundwinkeln zeigen. Lippen fest aufeinander gepresst. So als ob sich diese starren Gesichtszüge schon längst eingegraben haben in die Mimik.

Ich bin mir ziemlich sicher: Diese Menschen fühlen viel Verbitterung. Vielleicht merken sie es gar nicht oder sind so tief in dieser Grundstimmung, dass sie die ganze Verbitterung schon für normal halten. Wer weiß?

Verbitterung entsteht auf vielfältige Art und Weise. Garantiert entsteht sie aber, wenn wir regelmäßig mit der Realität debattieren. Wenn wir die Welt da vor unserer Nase nicht das sein lassen, was sie ist. Nämlich das, was tatsächlich ist. Sogar mehr: Das einzige, was ist.

Stattdessen kommen wir mit dem “sollte” und “müsste” um die Ecke:

Die Welt sollte dieses und jenes. Die Welt sollte fair sein und gerecht.

Andere Menschen sollten dieses und jenes. Mein Ehemann sollte mich unterstützen.

Das Leben sollte dieses und jenes. Das Leben sollte glücklich sein.

“Was ist denn falsch daran?”, fragst du jetzt vielleicht. Nun, ganz einfach. Weder die Welt, noch andere Menschen, noch das Leben, richten sich nach dir. Punkt.

“Ich möchte aber, dass sie auf mich hören.” Keine Chance, absolut vergebens. “Dann beeinflusse ich sie eben, damit sie das machen, was ich möchte.”

Und mit diesem Gedanken, oder diesem Entschluss, bist du auf der Schnellstraße in die Verbitterung. Denn ab jetzt gilt die Welt in deinem Kopf mehr als die Welt da draußen. Du versuchst, die Welt draußen deiner Welt drinnen anzugleichen.

Stell dir vor, dein Goldfisch würde dir erzählen, er wolle sein Aquarium seinen Wünschen entsprechend umbauen. Du würdest wahrscheinlich mit dem Kopf schütteln oder vor Lachen loprusten. Ich befürchte, genau das macht das ganze Universum, wenn wir Menschlein mit unseren hochtrabenden Plänen und Ansprüchen kommen.

Das Universum richtet sich einfach nicht nach uns. Warum sollte es auch? Wenn wir das über einen längeren Zeitraum hoffen oder glauben, dann nehmen wir alle negativen Erlebnisse als persönliche Verletzungen. Und dann können diese Wunden nicht heilen.

Wir leben dann in einem virtuellen Ego-Kokon und weisen alle Einladungen des Kosmos, alle Zeichen der Liebe, einfach arrogant von uns. So kann nichts heilen. So trocknen wir aus. So werden wir verbittert.

So werden wir innerlich zur Salzwüste – steinhart, lebensfeindlich, alles in grelles Licht getaucht.

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